Ulf. Mehr oder minder täglich Privatkram.

Suizidankündigung bei Facebook- Was aber ist Freundschaft?

Kategorie: Vernetzt

Simone hatte über tausend Freunde bei Fratzebuch, einige davon wohnten bei ihre um die Ecke. Simone verkündete zu Weihnachten, daß sie sich gerade mit einer größeren Menge von Medikamenten umbringe. Simone erntete dafür hämische Kommentare.

Ein einziger Kommentator kritisierte Kommentare und unterlassene Hilfeleistung, doch auch er tat nichts. Irgendwann meldete sich die Mutter zu Wort, daß man damit aufhören solle, denn Simone sei tot.

Tragisch daran ist vor allem, so denke ich, daß niemand aus der Gegend da vorbeigegangen ist. Niemand sie wirklich zu kennen schien. Alle „Freundschaften“ nur virtuell gewesen zu sein schienen. Nicht einmal die Mutter etwas bemerkt hatte.

Die Zahl meiner Facebook-Freunde ist über 200. Meine wirklichen Freunde kann ich an einer einzigen Hand abzählen, aber diese würden dafür alles, aber auch wirklich alles für mich tun. Auch wenn ich viel online bin: Das Leben tobt draußen. Auch wenn viele Suizidankündigungen blöde Scherze sein mögen: ist es kein Scherz, dann stirbt jemand, wenn DU nichts unternimmst.

Der Begriff „Freund“ ist nach meiner Auffassung bei derartigen Kontakten übrigens ohnehin nicht angebracht. Wahre Freunde sind immer da, wenn man sie braucht. Und bevor ich dazu käme, meinen Suizid anzukündigen, hätten Menschen aus dem wirklichen Leben schon dafür gesorgt, daß ich keine Gelegenheit mehr bekomme.

Verzapft am 07. Januar 2011, so um 13 Uhr 17

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Kommentare

Was sagt Stefan dazu?

07. Januar 2011 um 13 Uhr 34 (Permalink)

Dem kann ich nur zustimmen Ulf. Ich habe ebenfalls ein sehr kleinen Freundeskreis, den ich mit einer Hand abzählen kann.
Alles andere sind Bekannte, die einen hilfsbereiter als die anderen. Aber die Freunde die ich habe, die würden mit mir durchs Feuer gehen. Und ich für sie.
Online habe ich jetzt ein vielfaches des "analogen" Bekanntenkreises "kennengelernt". Aber Freunde sollte man diese Bekanntschaften nicht nennen. Da gaukeln uns die sozialen Netzwerke immer wieder was vor. "Freund"esliste, dass ich nicht lache...

Traurig, dass Simone ihren Hilfeschrei online abließ. Noch trauriger aber die stumpfen Kommentare darauf. Solche Leute will ich nicht mal als Feinde haben...

Was sagt Mao-B dazu?

07. Januar 2011 um 15 Uhr 07 (Permalink)

Ich habe meinen Fakebook-Account nach einigen Wochen wieder löschen lassen. Ich habe meine "Communityerfahrungen" bereits gehabt, Ich will sowas nicht mehr haben.

Was sagt psychoMUELL dazu?

07. Januar 2011 um 16 Uhr 14 (Permalink)

ich war genau 2 Stunden bei FB angemeldet, mir hat es überhaupt nicht gefallen!

Eigenen Senf dazugeben?

Es hilft, sich einen Account anzulegen und sich anständig zu betragen. Dann kannste auch kommentieren.

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