Ulf. Mehr oder minder täglich Privatkram.

Tod eines Ökofuzzies.

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Nein, ein wirklicher Ökofuzzie war ich nie. Ich sah aber fast so aus. Zu Beginn der Pubertät hatte ich den Tee und den Umwelt- und Tierschutz für mich entdeckt (wie alle anderen in meiner Klasse auch), denn wir befanden uns in der ersten Hälfte der Achtziger.

Mit meinem Pottschnitt war ich nie zufrieden, aber es dauerte, bis ich mich da gegen die Obrigkeit durchzusetzen wagte und die Haare wachsen ließ. Das war 1989, als ich auch Metallica für mich entdeckte. Ich trug grausam bunte Kleidung und die Haare offen, bis ich sie wegen der doch sehr eingeschränkten Sicht zusammenband.

Ein wenig spirituell war ich auch, wie man mit siebzehn eben so ist, und ich befragte oft das I-Ging, auch wenn ich nicht wirklich daran glaubte, doch ließ mich dieses Ritual zur Ruhe kommen. Die Suche nach dem Sinn des Lebens begleitete mich lange. Heute suche ich nicht mehr, ich lebe einfach.

Lange Zeit war die mich nicht kennende Menschheit überzeugt, ich sei Vegetarier. Und völlig geschockt, wenn ich meine Leidenschaft für furchtbar blutige Steaks erwähnte.

Irgendwann war ich das bunte leid und ich stieg auf Schwarz um. Irgendwann 2005 hatte ich Bock auf Bart. Jetzt sehe ich nicht mehr aus wie ein Müslikauer, auch in weiß nicht, und das Steak schockt als solches, weil sehr blutig, paßt aber zu mir.

Nein, ein Öko war ich nie. Und mir ist egal, ob der Mais genmanipuliert ist- auch natürliche Züchtung ist Manipulation, und der Segen der Gentechnik ist bakteriell erzeugtes Humaninsulin, welches die Produktion weniger umständlich und unabhängiger vom Fleischkonsum der Bevölkerung macht und außerdem für den Körper natürlicher macht. Und noch mehr. Und ich würde niemals ein Genmaisfeld im März besetzen, um die Aussaat, die erst Mitte April beginnt, zu blockieren und damit zu demonstrieren, daß ich schlecht informiert bin.

Nein ich bin kein Ökofuzzi mit Wuselbart und Räucherstäbchen. Und Mais mag ich ohnehin nicht.

Verzapft am 26. August 2010, so um 10 Uhr 31

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Kommentare

Was sagt Ly dazu?

26. August 2010 um 12 Uhr 07 (Permalink)

mal ganz unabhängig davon ob man sich zu den ökofuzzis zählt oder nicht, haben diese doch hierzuland viel erreicht. jetzt deshalb, weil sie für manche eine lachnummer sind, alles abzulehnen was "diese" machen, ist ausblenden von dem, was gut sein kann. zudem heute selbst vereinzelte vertreter der CDU und CSU unsere Ökologie und Gesundheit im Blick haben, und nicht nur die, wir leben eben nicht mehr in den 80ern mit seinen einfachen Feindbildern.

wenn man ein bissel Arte schaut, ein durchaus respektabler Sender, bekommt man mit, was in anderen ländern nicht so einigermaßen gut klappt wie bei uns.

zb in süditalien der große geldwerte gewinn der mafia bei der müll-verklappung. Giftige Chemikalien landen in Bächen, autoreifen und auch weiterer giftmüll lagert wild in der gegend und wird ab und an verbrannt, die bauern rund um neapal haben enorm viele krebsfälle in den familien zu verzeichnen, obst und gemüse ist generell kontaminiert und wird europaweit geliefert, und leute die sich wehren stehen auf der abschussliste.

oder, von wegen gentechnik.
alles gut und schön, wenn um medizin geht. so hab ich persönlich auch kein Problem mit der Stammzellenforschung.

doch genmanipulierte saat auf felder ausbringen, hat eine dimension, die noch nicht abzuschätzen ist, aber mit ein bisschen überdenken sichtbar wird:

weltweit gibt es bienensterben, zu Milliarden, seit mehreren Jahren.
Es hat sich herausgestellt, sie vertragen den nektar der genmanipulierten pflanzen nicht.

klar, man muss ja keinen Honig futtern, aber: die bienen sind DIE Bestäuber schlechthin, wir ALLE sind in unserer Nahrungskette zu einem Drittel von Bienen abhängig.

Genauer betrachtet kann, und das ist die große Gefahr, genmanipuliertes Feldgut das Gegenteil von "nahrungsproblem der Weltbevölkerung lösen" erreichen.

Das ist die reinste Geldmacherei die betrieben wird, sonst nix. Du kannst davon ab auch nicht wirklich wissen, was das Maispulver im Snikers oder Marsriegel in deinem Körper oder dem deiner Kinder veranstaltet. Niemand weiß das genau.

Die ärmsten der armen sind letztlich die die wirklich draufzahlen.
zb auch darin, das inzwischen Getreide Spekulationsobjekt ist, die Preise sind, nach dem Zusammenbruch der letzten Immobilienblase, die die weltweite Krise hervorrief, massiv gestiegen. Und nicht etwa, weil es keinen Weizen mehr gäbe, die Lager sind voll. Nein, es wird spekuliert auf Teufel komm raus. Man setzt eben nicht mehr auf Immobilien,sondern, unter anderem, auf Agrar, die nächste Blase ist schon längst da. Wenn man bedenkt das es so schwierig ist, die Leute in Pakistan mit Grundnahrungsmitteln zu versorgen, weil sie das vierfache von früher kosten... pervers, oder?

Was ist daran bitte Ökofuzzi, sich auch nur ein bisschen Gedanken zu machen was abgeht.

Eigenen Senf dazugeben?

Es hilft, sich einen Account anzulegen und sich anständig zu betragen. Dann kannste auch kommentieren.

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