Ulf. Mehr oder minder täglich Privatkram.

Quelle mit großem „?“

Kategorie: Meine unqualifizierte Meinung

Im neunzehnten Jahrhundert schreibt jemand eine Familiengeschichte. Im Auftrag dieser Familie, in deren Diensten er ohnehin schon steht. Von deren Gunst er also nicht unabhängig ist. Mit den Quellen, die ihm sein Auftraggeber zur Verfügung stellt. Und wird Jahrzehnte später immer und überall herangezogen als Quelle.

Was mich aber stutzig macht, sind Sätze wie

Ob J. v. D. dieselbe Person ist, welche als bischöflicher Cämmerer einfach unter dem Namen Johann in vielen Urkunden aus den Jahren'1229— 48 auftritt, lässt sich nicht beweisen; (...)
Ist jedoch die aufgestellte Vermuthung richtig, dann unterliegt es auch keinem Zweifel, dass J. v. D. die Ritterwürde erlangt hatte, (...)*1

Bei allem gebotenen Respekt- irgendwas mit Vermutung halte ich nun nicht gerade für einen belastbaren Beleg. Insbesondere wenn der Autor alles andere als unabhängig war und damals® ( 1868 ) Gründe genug gehabt hätte, seinem Brötchengeber zu gefallen und die Ergebnisse abzuliefern, die gewünscht sind*2 und die Zugehörigkeit zum ganz alten Adel zu „beweisen“*3*4.

Wenn aber Menschen HEUTE Stellen daraus als Beleg für etwas benutzen, welche der Autor selbst schon mit einem Fragezeichen versehen hat, dann entstehen bei mir viele solche Fragezeichen.

Verzapft am 30. Juli 2017, so um 13 Uhr 26

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Kommentare

Was sagt Scharfrichter dazu?

31. Juli 2017 um 09 Uhr 24 (Permalink)

Quellenkritik ist das A und O jeder historischen Forschung. Das hat man damals (1974 - 1979) schon im ersten Semester seines Geschichtsstudiums gelernt.

Was sagt Ulf, der Größte, dazu?

Kommentar vom Scheff hier am 31. Juli 2017 um 09 Uhr 35 (Permalink)

Ich habe noch keinen gefunden, der diese Quelle hinterfragt. Der Typ muss an allen möglichen Stellen herhalten. Allerdings habe ich ihn zumindest bei ArchäologInnen bislang noch GAR NICHT gefunden, das lässt hoffen.

Eigenen Senf dazugeben?

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